ACCN Virtual Tumorboard: Für eine starke Vernetzung der Onkologie in Österreich
Bericht: Dr. Corina Ringsell
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Das 25-jährige Bestehen von JATROS Hämatologie & Onkologie nahmen wir zum Anlass, um eine neue Fortbildungsreihe in Kooperation mit dem Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN) zu starten: Die ACCN Virtual Tumorboards werden gemeinsam mit den Comprehensive Cancer Centers (CCC) Graz, Innsbruck und Wien gestaltet und sollen den interdisziplinären und standortübergreifenden Dialog weiter stärken. Bei der Auftaktveranstaltung war das ACCN prominent vertreten durch die Beteiligung von Prof.Philipp Jost, Graz, Prof. Dominik Wolf, Innsbruck, und Prof. Shahrokh F. Shariat, Wien.
Hämatologie und Onkologie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten so dynamisch entwickelt wie kaum ein anderes Fach der Medizin. Wissenstransfer zwischen Forschung und Klinik, aber auch zwischen den Disziplinen und Behandlungszentren ist daher von immenser Bedeutung. Um dieses Ziel gemeinsam zu verfolgen, ist JATROS Hämatologie & Onkologie eine neue Kooperation mit dem Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN) eingegangen, dem Verbund der drei Comprehensive Cancer Centers in Graz, Innsbruck und Wien, und hat eine neue Fortbildungsreihe ins Leben gerufen – das ACCN Virtual Tumorboard.
Im Mittelpunkt der Reihe stehen ausgesuchte Fälle realer Patient:innen, die in den organspezifischen Tumorboards der drei Krebszentren behandelt und diskutiert wurden. Diese Fälle werden im Rahmen von vierteljährlich stattfindenden Webinaren präsentiert, didaktisch aufbereitet und gemeinsam mit Expert:innen aus den teilnehmenden Zentren erörtert. Dabei soll ein interdisziplinärer Dialog über diagnostische und therapeutische Entscheidungen entstehen. Zugleich werden verschiedene klinische Ansätze sichtbar gemacht und der aktuelle Stand der evidenzbasierten Onkologie wird reflektiert.
Vision und Ziele des ACCN
Univ.-Prof. DDr. (mult. h.c.) Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie und des Comprehensive Cancer Center (CCC) Vienna, MedUni Wien, ging in seiner Einführung auf die Ziele des ACCN ein. „Wir glauben an ein Netzwerk, dessen Mission es ist, Krebs zu besiegen. Unsere Vision ist es, ein landesweites Krebsnetzwerk aufzubauen, das Weltklasse ist, patientenorientiert, forschungsgetrieben und allen zugänglich“, erklärte er.
Das ACCN wurde im Jänner 2024 gegründet und ist eine Kooperation der führenden Krebszentren in Österreich, um die Zusammenarbeit in der Onkologie – in Forschung, Ausbildung und klinischer Versorgung – zu stärken. Zuvor wurde in zahlreichen Treffen das Verständnis füreinander verbessert und überlegt, wie die Zentren sich ergänzen können. Die Lageanalyse zeigte, dass in Österreich gute Forschung betrieben wird und Innovationen schnell umgesetzt werden. Auch der Zugang zur Versorgung ist insgesamt gut, etwa was die Infrastruktur sowie den Zugang zu neuartigen Technologien und Medikamenten angeht.
Da aber das Gesundheitssystem nach wie vor föderal strukturiert und stark fragmentiert sei, hätten Patient:innen in manchen Regionen nur einen begrenzten Zugang zur optimalen Versorgung, sagte Shariat. Ziel sei es jedoch, Gleichberechtigung und Chancengleichheit für alle Krebspatient:innen zu schaffen.
Zusammenarbeit für eine bessere Versorgung
Zudem gebe es äußere Einflüsse, auf die man reagieren müsse, fuhr Shariat fort. Die EU habe eine klare Mission wie die „Mission Cancer“ und den „Europe’s Beating Cancer Plan“. Dies führe dazu, dass die Krebsversorgung in der gesamten EU mit 100 Krebszentren und Netzwerkregionen, die auch länderübergreifend zusammenarbeiten sollen, überdacht und neu strukturiert werden müsse. Man sehe außerdem einen raschen Wandel in Ausbildung, Weiterbildung und Forschung, an den man sich anpassen müsse, so Shariat. Die Versorgung der Patient:innen sei im Vergleich zu jener in der Vergangenheit deutlich komplexer geworden, erklärte er. Nebenwirkungen und unerwünschte Ereignisse, die mit neuen Medikamenten, neuen Wirkstoffen und neuen, revolutionären Konzepten einhergehen, müssten beachtet werden. Dies zwinge die behandelnden Ärzt:innen dazu, enger zusammenzuarbeiten und einander zu ergänzen.
Die Kosten der Versorgung werden ebenfalls immer wichtiger, da sie mit der Alterung der Bevölkerung stark ansteigen. Außerdem gibt es weitere politische Herausforderungen wie die Frage, ob die Patient:innen zentralisiert oder wohnortnah betreut werden sollen.
Auch die Krebsprävention werde künftig vermehrt im Mittelpunkt der Planung stehen müssen, etwa Vorsorgeprogramme für Lungen-, Darm- und Prostatakrebs, denn: „Prävention ist sicherlich der beste Weg, um Krebs zu besiegen – nämlich indem man ihn gar nicht erst bekommt“, sagte Shariat. Die Chancen des ACCN lägen darin, Probleme anzugehen, zeigte er sich überzeugt. Durch Koordination könnten die einzelnen Ansätze und Stärken aufeinander abgestimmt werden. Durch den Austausch von Informationen könnten Qualität und Konsistenz über alle Prozesse hinweg sichergestellt werden. Durch Zusammenarbeit könne der Fortschritt beschleunigt werden. Shariat betonte, dass die Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien nur der Anfang seien. Das Netzwerk werde wachsen und weitere Zentren in Österreich, aber auch darüber hinaus einschließen. Als Beispiel nannte er die Kooperation des ACCN mit dem Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZFK), die 2025 vereinbart wurde. Es seien bereits mehrere gemeinsame Förderprojekte gestartet worden, um die Synergien zwischen den Regionen zu fördern. Als nächsten Schritt kündigte er die Ausweitung auf die Tschechische Republik an.
Einbeziehung der politischen Ebene
Darüber hinaus wurde eine Leistungsvereinbarung mit dem österreichischen Wissenschaftsministerium über drei Punkte getroffen, die in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden sollen. Einer ist die frühe klinische Umsetzung von Innovationen, wozu beispielsweise die molekularen Tumorboards an der Universität Graz beitragen. Ein weiterer Punkt ist ein Cancer-Survivorship-Programm, bei dem es vor allem um das Thema Nachsorge geht und darum, wie man Patient:innen nach dem Ende ihrer Therapie weiter begleitet. Und nicht zuletzt soll ein Datennetzwerk für einen reibungslosen, effizienten und sicheren Datenaustausch geschaffen werden. Die Datenhoheit bleibe dabei auf der Standortebene. So sollen alle regulatorischen Sicherheitsvorgaben eingehalten werden und die Daten das Zentrum niemals verlassen. Für dieses CancerNet® wurden bereits große Anstrengungen zum Aufbau eines neuen Datensatzes unternommen, um die Daten im klinischen Umfeld zu erfassen, sagte Shariat. Sein Appell an alle Beteiligten: „Lasst uns gemeinsam ein gesundes, vielfältiges, innovatives und kooperatives akademisches Onkosystem aufbauen.“
Weiterführende Information
Mehr über die ACCN Virtual Tumorboards sowie den Videomitschnitt der Auftaktveranstaltung finden Sie hier: https://www.universimed.com/at/virtualtumorboards
Mit freundlicher Unterstützung durch den Sponsor
Quelle:
ACCN Virtual Tumorboard, 10. März 2026, Wien und online
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