Parkinson ist mehr als Zittern
Bericht: Felix Schmidtner, MSc
Die Parkinsonkrankheit ist die neurodegenerative Krankheit mit der am stärksten steigenden Inzidenz. Zwar lässt sich die Krankheit bisher nicht stoppen, doch eine frühzeitige adäquate Behandlung kann die Lebensqualität der Patient:innen entscheidend verbessern.
„Viele verbinden Parkinson mit Zittern, dabei führt die Krankheit zu zahlreichen weiteren Einschnitten für Betroffene“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Werner Poewe von der Medizinischen Universität Innsbruck. Betroffene tun sich allmählich schwer mit alltäglichen repetitiven Bewegungen und die Muskeln versteifen bei gewohnten Handgriffen, wie sie beim Schreiben, Kochen oder Musizieren nötig sind. James Parkinson, der Namensgeber der Erkrankung, nannte sie 1817 dementsprechend Paralysis agitans („Schüttellähmung“).
Stigmatisierung erschwert gesunden Lebensstil
Neben diversen Begleitsymptomen wie Schlafstörungen, Obstipation, Riechstörungen, Schwierigkeiten bei der Orthostase und Impulskontrolle sowie Stimmungsschwankungen geht die Erkrankung mit Stigmatisierung einher. Nicht wenige Betroffene vermeiden daher soziale Kontakte. Ein Umstand, der es ihnen erschwert, ihren Lebensstil zu verbessern oder gesunde Gewohnheiten aufrechtzuerhalten, wie Sigrid Zimmermann, spezialisierte Parkinson Nurse an der Universitätsklinik für Neurologie der Universität Innsbruck, anspricht. „Sport und Bewegung – wie Fitnessboxen und Tanzen – haben sich als nichtmedikamentöse Unterstützung der Behandlung für Parkinson bewährt“, erklärt Zimmermann. Neben den vaskulären Effekten des Sports, die auch dem Gehirn zugutekommen, fördern diese Sportarten die Koordination und das Gleichgewichtsgefühl.
Zimmermann hat in Österreich das Ausbildungsprogramm der Parkinson Nurses mitaufgebaut, um den Patient:innen die adäquate und multimodale Pflege anbieten zu können, die die Krankheit erforderlich macht. Die Parkinson Nurses können dann als Schnittstelle zwischen Patient:in, Angehörigen und behandelndem Gesundheitspersonal aus den verschiedenen Disziplinen fungieren.
Viele Patient:innen stehen noch im Berufsleben
Etwa 10–15% der Parkinsonpatient:innen erhalten ihre Diagnose vor dem 50. Geburtstag. Zahlreiche Betroffene sind also noch mitten im Berufsleben, wenn sie erfahren, dass sie an Morbus Parkinson erkrankt sind, die auf den Untergang dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra zurückgeht. In der Anfangsphase können Hemmer des Dopamin abbauenden Enzyms Monoaminooxidase B (MAO-B-Hemmer) helfen. Wenn diese nicht mehr ausreichend nützen, werden Dopaminagonisten gegeben. Der Goldstandard ist und bleibt aber L-Dopa, das die breite Symptomatik der Krankheit vollständig zurückdrängen kann. Bewährt hat sich die Kombination mit Inhibitoren der Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Diese Inhibitoren reduzieren den vorzeitigen Abbau von L-Dopa in der Peripherie und verlängern damit die Wirkung von L-Dopa. Betroffene können dadurch Zeit ohne Symptome gewinnen. „Allerdings wissen viele nicht, dass es zusätzlich die Möglichkeit der Bedarfsmedikation gibt“, erklärt Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Petra Schwingenschuh von der Medizinischen Universität Graz. Die Verstoffwechselung von L-Dopa über die gastrointestinale Route verschlechtert sich nämlich über die Zeit. Off-Phasen, in denen die Symptome wieder auftauchen, können die Patien-t:innen dann belasten. Bedarfsmedikation als Spritze oder Pulver zum Inhalieren kann in dem Fall helfen, die Off-Symptome zu lindern.
Forschung zu Frühdiagnose und krankheitsmodifizieren-den Therapien
Rund 25000 Menschen in Österreich leiden unter der Erkrankung Parkinson, Tendenz steigend. Neben genetischen Faktoren können der Lebensstil und Umweltfaktoren wie Pestizide und Feinstaub zur Parkinsonerkrankung beitragen. Die genauen Gründe für die steigende Inzidenz sind allerdings Gegenstand aktueller Forschung.
Aktuelle klinische Studien für krankheitsmodizifierende Medikamente lieferten darüber hinaus positive Signale, auch wenn der Durchbruch bisher noch ausgeblieben ist. Mit großen Erwartungen blickt man in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Parkinson auch auf die Forschung zur Frühdiagnose der Erkrankung. Schließlich würde das Etablieren eines diagnostischen Tests wie eines kommerziell verfügbaren α-Synuklein-Seed-Amplification-Assays oder eines breit anwendbaren bildgebenden Verfahrens die klinische Forschung erleichtern. Neue Studien könnten mit weiteren biologischen Endpunkten gestützt werden, oder es könnten gezielt Patient:innen rekrutiert werden, bei denen die Erkrankung vor einem fortgeschrittenen neuronalen Verfall bestätigt worden ist.(red)
Quelle:
Pressekonferenz der Österreichischen Parkinson Gesellschaft gemeinsam mit Merz Pharmaceuticals am 25.3.2026, Wien
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